Dølemo – Hovden

9 Tage durfte ich das Fjell genießen und das habe ich jede Sekunde getan! Auch wenn mir manchmal erst im Nachhinein klar geworden ist, wie sehr.

Jeder Tag war anstrengend, hatte aber seinen Reiz. Der Aufstieg von Dølemo zu Skarsvassbu, erst durch bewaldete Hänge, die dann aber dem kargen Bewuchs der steinigen Hochebene weichen mussten. Danach zwei Tage im Dauerregen durch schlammigen Ebenen und über rutschige Felspassagen, die mich viel Kraft und vor allem Motivation gekostet haben. Mehr als ich es gedacht hätte.
Am dritten Tag habe ich dann auf der Granbusøyl Lorenz aus Heilbronn kennengelernt. Wir waren beide froh über Gesellschaft nach den Tagen im Regen und haben uns den Abend sehr gut unterhalten. Schlussendlich sind wir die kommenden 6 Tage, bei Sonnenschein ohne Ende, gemeinsam von Hütte zu Hütte gewandert und hatten dabei jede Menge Spaß!

Die letzten zwei Tage unserer Tour durch das Fjell, von der Bjørnvasshytta, über die Berdalsbu, nach Hovden, wurden wir von unerwartet viel Schnee überrascht. Das brachte neue Herausforderungen mit sich, denn die vorigen Tage hatten wir zwar immer wieder Schnee gesehen, unser Weg führte uns bis dahin aber kaum darüber. Das sollte sich nun ändern!
Wir gingen ab jetzt fast ausschließlich im Gänsemarsch. Immer auf der Hut vor Hohlräumen unter der Schneedecke, die es zu umgehen galt, um nicht einzubrechen. Da man oft bis über die Knöchel im Schnee versank, kostete das Laufen mehr Kraft und nahm auch mehr Zeit in Anspruch als wir vorher gedacht hatten.
Eine weitere Herausforderung waren die Bäche, die durch das Schmelzwasser zu reißenden Strömen angeschwollen waren.
Die vom norwegischen Wanderverein DNT vorgeschlagenen Übergänge kamen so gut wie nie in Frage, da sie durch das zusätzliche Wasser meist nicht mehr passierbar waren. Also waren wir gezwungen andere Furten zu finden. Falls es die nicht gab, ging es mit den Schuhen am Rucksack befestigt, barfuß und bis über die Knie im kalten Wasser, auf die andere Seite.
Nach durchschnittlich 7 Stunden Laufen waren wir am Abend dementsprechend geschafft, hatten aber immernoch genug Energie um uns den Bauch mit Nudeln, Pfannkuchen und Schokolade vollzuschlagen. Das gab die nötige Kraft für den kommenden Tag.


Ab heute geht es wieder für 4 Tage auf 116 km Asphalt bis Rjukan. Von dort werde ich zusammen mit Caro, die mich aus Deutschland besuchen wird, die Hardangervidda an ihrer Ostseite bis nach Geilo durchqueren.
Ich freue mich sehr über diesen Besuch und die Begleitung! Deswegen verzichte ich auch auf den Pausetag, der eigentlich angedacht war, und laufe erstmal weiter, um Caro an der Vidda im Empfang nehmen zu können.

Einen Dämpfer gab mir hingegen die Erkenntnis, dass meine Hardshell-Jacke den Belastungen des schweren Rucksacks nicht gewachsen ist. Ich hatte bis jetzt großes Glück und war nicht oft auf die Jacke als Regenschutz angewiesen. Doch schon nach den wenigen Einsätzen gibt das Material der Jacke nach. Bis zum Nordkap hätte mich diese Jacke sicherlich nicht trocken gehalten. Eine neue zu kaufen kann ich mir momentan nicht leisten. Das hat mir viele Gedanken bereitet und so habe ich zuerst Simon, der NPL 2013 erfolgreich absolviert hat, angeschrieben und um Rat gebeten. Er hat mir einen Kontakt zu Bergans gegeben, denen ich mein Problem in einer eMail schilderte. Sofort sicherte man mir eine neue Hardshell zu, damit ich „auf meinem weiteren Weg zum Nordkap nicht im Regen stünde“.
Seit heute habe ich also eine Dynamic Neo Jacket, die mich auf der weiteren Tour begleiten wird.

image

Tusen takk/tausend Dank an Bergans für diese großzügige Geste! Das ist eine unglaubliche Unterstützung und großartige Motivation!

Jetzt geht es erstmal wieder auf die Straße, immer Richtung Vidda! Bis bald!
Euer Lucas.

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu “Dølemo – Hovden

  1. Wir drücken die Daumen (und Pfoten), dass du dein Ziel ganz weit oben erreichst! Pass auf dich auf und mach schön einen Schritt nach dem anderen 🙂 Wir bleiben dran an deinem Blog und sind gespannt!
    Alles Gute, Brigitte & Harald (mit Ben)

    Gefällt 1 Person

  2. Hey Lucas,
    gerade war ich echt erstaunt zu lesen das noch so viel Schnee bei der Børnevasshytta liegt.
    Ich war Mitte April an der Skarsvassbu und hatte völlig genervt dort umgedreht, da man noch alle paar Meter bis zum Hintern im Schnee versackt ist.
    Auf deiner Tour wünsche ich dir weiterhin viel Spass und Erfolg. Ich bin auf weitere Berichte gespannt.

    Gruß
    Thomas

    Gefällt 1 Person

    • Hei Thomas!
      Ich war auch von den Socken! Aber nach dem Aufstieg, der von der Bjørnvasshytta direkt nach dem Losgehen kommt, steht man momentan noch im tiefsten Winter. Inklusive zugefrorener Seen und riesiger Schneefeldern…Liegt sicher aber auch mit an der größeren Höhenlage von Berdalsbu und Tjørnbrotbu im Vergleich zu den vorigen Hütten.
      Die 7 Tage davor sah aber tatsächlich alles sehr nach abgeschlossener Schmelze aus.

      Gefällt 1 Person

  3. Hallo Lucas,
    ich bin Lokalredakteurin bei der Nürnberger Zeitung und spreche für einen Beitrag gerade mit Menschen, die nach dem Abitur erst mal was ganz anderes machen. Es wäre schön, wenn wir uns darüber mit dir mal in Verbindung setzen könnten. Alles Weitere am besten per E-Mail… Freue mich über deine Meldung, danke!
    Viele Grüße aus der Heimat
    Isabel

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s