Die Hardangervidda

Die Hardangervidda war im Zuge meiner Planung eines der Themen, das mich am meisten beschäftigt hat. Immer stand die Frage im Raum, ob mir Schnee den Weg versperren würde oder nicht.
Der Gedanke an Schneemassen, durch den Winter unkenntlich oder verschneite Wegmarkierungen und das alles in einer menschenleere Hochebene, bereitete mir Kopfschmerzen. Auch weil ich die Bedingungen der letzten Tage in der Setesdalen-Austheine im Hinterkopf hatte und sie auf die Vidda projezierte, war ich sehr froh darüber, dass meine Freundin Caro sich von Deutschland aus auf den Weg machte, um mich durch die Hochebene zu begleiten. Zu zweit läuft es sich eben wesentlich angenehmer und auch ein Gefühl von Sicherheit stellt sich ein.

Am 9.6 trampte ich nachmittags von der Krokan Hütte, die oberhalb von Rjukan im Vestfjorddalen liegt, hinab ins Tal, um ein paar Einkäufe zu erledigen und Caro am Abend in Empfang zu nehmen. Sie würde mit dem Bus aus Oslo direkt in die Ortschaft am Rande der Vidda kommen.
Da der erste Bus, den sie ursprünglich geplant hatte zu nehmen, nicht fuhr, sollte es 23 Uhr werden bis Caro, müde und erschöpft durch die lange Anreise, an der Kirche in Rjukan aus dem Bus stieg. Nur durch Glück fand sich auch so spät noch jemand, der uns im Auto die Serpentinen hinauf zum „Basislager-Krokan“ fuhr. Und das inklusive Abstecher zum Kraftwerk in Vemork, das im 2. Weltkrieg eine große Strategische Bedeutung hatte. Aber Glück darf man eben auch mal haben!

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Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg hinauf auf die Hochebene. Nach einem steilen Anstieg öffnete sich die Vidda. Der Unterschied zum Fjell war recht schnell ersichtlich. Das Auf und Ab, das ich bis jetzt kannte, wich einer sanften hügeligen Landschaft. Einer Hochebene…
Caros Heimfahrt ist für den 19.6 angesetzt. Wir fassten also den Plan die 6 Tagesetappen in der Vidda aufzuteilen und 10 Tage dort zu verbringen. Schnell merkten wir aber, dass wir beide nicht der Typ Mensch für ruhige Tage sind. Ich im Besonderen werde unaustehlich, wenn ich tagsüber nicht genügend Auslauf bekomme. Also steigerten wir Tempo und Tageskilometer wieder. Wir arbeiteten uns durch den teils noch sehr aufgeweichten Boden und kamen sehr gut vorwärts. Da die Wandersaison noch nicht eröffnet ist, war es sehr ruhig und wir sollten nur vereinzelt andere Wanderer treffen.
Abends machten wir es uns in den DNT-Hütten gemütlich oder suchten uns einen schönen Platz, an dem wir das Zelt aufschlagen konnten. Wir haben die Tage dort oben sehr genossen!
Wieder einmal getrieben durch eine Unwettervorhersage, erreichten wir nach einem langen und erschöpfenden Abstieg schließlich Geilo, wo wir unser Zelt auf dem Campingplatz aufschlugen.

Jetzt sitze ich gerade in der Bibliothek in Geilo, wo es einen öffentlichen Computer gibt, den ich benutzen kann.
Der Zug, den Caro nehmen muss, wird nicht früher und nicht später, sondern Sonntag Abend ab Gol fahren. Deshalb werden wir hier am Zeltplatz den vorhergesagten Regen abwarten und uns Samstag auf den Weg dorthin machen. Ab Gol werde ich dann wieder alleine weitergehen. Ich werde meinem Weg auf den Golsfjelltoppen einschlagen und über Fagernes wo ich einen Besuch machen möchte, Richtung Rondane weitergehen. Durch meinen Zwischenstopp in Fagernes, werde ich leider nicht durch die Jotunheimen kommen. Ein Gebiet, das ich sehr gerne durchwandert hätte.
So muss ich mich eben mit der Aussicht vom Golfjellstoppen auf den Nationalpark, mit einigen der höchsten Berge Norwegens, begnügen. Aber ich werde laut Martin, der mir diesen kleinen Umweg ans Herz gelegt hat, sicher nicht enttäuscht werden.

Ich bin ziemlich genau einen Monat auf Tour und so langsam lässt sich auch auf der Karte Norwegens ein Vorankommen erkennen. Das Queren nach Osten verzerrt die Wahrnehmung der gelaufenen Distanz und hat mich anfänglich sehr beschäftigt. Jetzt, nach der Vidda, geht es recht zügig in Richtung der schwedischen Grenze, an der ich mich gen Norden „entlanghangeln“ werde. Ab dort ist der Fortschritt dann deutlicher zu erkennen.

Und jetzt noch ein mir unangenehmer, für meine Tour aber sehr wichtiger Teil:
Ich komme sehr gut voran, Norwegen ist aber ein teures Land. Besonders wenn man sein Geld mit Studentenjobs in Deutschland verdient. Und so einen Langstreckenwanderer zu füttern ist leider nicht billig!
Ich habe im Vorfeld der Tour hart gearbeitet und einiges verdient, um mir die Ausrüstung, die Essenrationen, die ich von Lucia geschickt bekomme und ein Polster für die Zeit unterwegs zu finanzieren.
Zu diesen Essensrationen muss ich jedoch auch noch Essen zukaufen und so schrumpft mein Budget schneller als gedacht. Deswegen möchte ich euch um Hilfe bitten! Wer Herz und vielleicht auch ein bisschen Geld für mich übrig hat, ist herzlich eingeladen es mir zukommen zu lassen.
Ich freue mich sehr über Unterstützung und werde diese natürlich ausschließlich auf mein norge på langs verwenden!

https://www.generosity.com/sports-fundraising/norge-pa-langs-2016

Jeden Spender lade ich nach meiner Tour herzlich zu einem Reisebericht ein!

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Mein norge på langs macht mir einen riesen Spaß!
Was der nächste Monat bringt, bleibt abzuwarten. Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit und halte euch natürlich auf dem Laufenden!
Bis bald also….

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6 Gedanken zu “Die Hardangervidda

  1. Hallo Lukas!
    Du bzw. ihr scheint eine schöne Zeit zu haben, auch wenn es nicht immer leicht ist.
    Für mich liest es sich so interessant, weil ich an vielen Orten schon war, selbst einmal den „Norge på langs“ machen viel und Norwegen/ das Fjäll so liebe.
    Offensichtlich kommmst Du gut voran! Glück auf, auf! Theo

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    • Ja, ich habe sehr viel Spaß, aber eine große Herausforderung bleibt die Unternehmung natürlich immer noch!
      Ich kann deinen Wunsch norge på langs zu gehen sehr nachvollziehen 😉 du solltest den Plan auf jeden Fall weiter verfolgen!

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  2. Hallo Lucas, schöne Grüße von Steffi und Jan aus Greifswald. Nachdem wir uns in Beitostolen verabschiedet hatten haben wir deinen Weg nicht mehr aus den Augen gelassen. Wir wünschen dir noch viel Spaß und gesunde Füße. Berichte mal wieder. Grüße aus Greifswald .

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