Einblick in meine wirren Gedanken

„NPL ist die größte Freiheit, die ich mir vorstellen kann,
engt mich zugleich aber auch im selben Maße ein.“

Das mag so klingen, als ob es ein gebildeter Mensch gesagt oder geschrieben hätte, tatsächlich ist es aber meinem Geist entsprungen und beschreibt in wenigen Worten, worum sich meine Gedanken in den letzten Tagen drehen.

Meine momentane Situation eignet sich sehr gut, um das Dilemma in dem ich mich gerade befinde jemandem zu erklären, der sich keinen Reim auf die obrige Aussage machen kann.

Mit dem Rucksack zu reisen. Alles Notwendige darin gepackt zu haben. Draußen an der frischen Luft und in der Natur zu sein. Alle Zeit zur Verfügung zu haben und sich tagtäglich die selben drei Fragen zu stellen:
• „Wohin will ich gehen?“
• „Was werde ich essen?“
• „Wo werde ich schlafen?“
Der Rest wird sich ergeben.
Das mag für den einen oder anderen etwas verträumt oder verstrahlt klingen, für mich ist dieser Mix aber ein unglaubliches Gefühl!
Soviel zur Freiheit…

Seit fast einer Woche begleiten mich nun schon die Schmerzen im Bein, wegen welchen ich in Beitostølen schon einen und nun hier in Skåbu die Pausetage Nummer Zwei bis Vier mache. Man kann dem Muskel, der sich bei mir wohl entzündet hat, ja eigentlich auch nicht übel nehmen, dass er nach etlichen Tagen auf Asphalt- und Schotterstraßen – die dem Fuß eine immer gleiche Belastung bescheren – beschließt ein Warnzeichen an mich zu senden.
Einfach zu pausieren, den strapazierten Körperteilen Ruhe zu gönnen wäre wohl der erste Gedanke der jedem in solch einer Situation kommt. Auch mir kam der Gedanke. Doch da die verfügbare Zeit für meine Tour durch den Studienbeginn im Herbst begrenzt ist, steht das Vorankommen in meinem Kopf im Moment über allem anderen. Es fällt mir sehr schwer regelmäßige Pausetage einzulegen, die ich, wenn man vernünftig darüber nachdenkt, so dringend bräuchte. Ich werde, so schwer es mir auch fällt,  meinen Fuß aber ausreichend kurieren, um danach wieder mit Vollgas weitergehen zu können! 

Aber genug davon! Das ist Jammern auf höchstem Niveau, was ich hier gerade betreibe.
Ich bleibe natürlich positiv und bin extrem froh meine Pause hier am „Skåbu Hytter og Camping“ von Arnhild und Arne machen zu können, die sich wirklich gut um mich gekümmert haben! Arnhild hat mich gestern mit dem Auto zum Arzt gefahren, danach wurde ich zu Kaffee, Eis und Erdbeeren eingeladen, was meine Laune wieder gehoben hat.

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Der Wille das Nordkap zu erreichen ist ungebrochen. Ich habe aber gemerkt, dass ich meinem Körper nicht alles zumuten kann. Eigentlich bin ich Moment sehr fit, das Bein ist jedoch angeschlagen und muss geschont werden. Ich muss so schnell es geht runter vom Asphalt und wieder auf die Wanderwege! Ich habe lange in Gedanken mit mir gerungen. Der ursprüngliche Gedanke war ja, die komplette Strecke, ohne Ausnahmen, zu gehen. Nach langem Überlegen und einer Nachricht von Martin, die genau diese Gedanken betraf (als ob er gerochen hätte, was gerade in mir vorgeht…), habe ich jetzt entschieden, dass ich die 27 Kilometer von Skåbu bis Vinstra nicht zu Fuß zurücklegen werde. Stattdessen werde ich, das Vorankommen auf lange Sicht im Hinterkopf, eine Mitfahrgelegenheit ins Tal suchen. Von Vinstra aus werde ich auf Wanderwegen durch die Rondane gehen können, was den Fuß entlastet und die Möglichkeit zur Heilung gibt.
Wenn ich hart mit meinen Vorsätzen bleibe und laufe, kann mein Weg durch Norwegen schneller zu Ende sein, als mir lieb ist! Und das will ich auf jeden Fall vermeiden.

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Der einzigartige Ausblick vom Golsfjell auf die Jotunheimen

Ich hoffe wirklich, dass mich mein Weg nach den 750 Kilometern, die ich bis jetzt schon hinter mir gelassen habe, weiterführt. Wir hören uns bald wieder!

 

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5 Gedanken zu “Einblick in meine wirren Gedanken

  1. Hallo Lucas,

    ich finde deine Idee Klasse. Du solltest das Ziel im Auge behalten und dich nicht künstlich unter Druck setzen, falls du gesundheitsbedingt diese von Asphalt geplagte Etappe ein bisschen verkürzt. Im schlimmsten Fall droht Abbruch. Da hört sich die Option des Schonens doch viel besser an 🙂 Keep going und Gute Besserung!

    David

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  2. Alles Gute für Heilung und Gelingen!
    Der Weg ist das Ziel und Los lassen können!
    Deine Gedanken bzgl. Schlafen – Essen – Gehen kann ich sehr gut nachvollziehen – wir machen das ja seit Jahren immer auf unserer 7 tägigen Transalp – allerdings mit dem Rad.
    Es gibt nix besseres, als nur mit dem unterwegs zu sein, was man gerade so zum Leben braucht – das ist sehr wenig und das ist grenzenlose Freiheit!
    Viel Erfolg von Nora und Rainer

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  3. Ach, Skabu… Da waren wir vor etwa fünf Wochen noch. Guck doch mal im Skabu Hyttegrend vorbei: Am Seeufer steht wunderschön eine Jurte!
    Wunderschöne Waldwege gibt es dort (zum ‚Warmbleiben‘) gesäumt von Moosen und Farnen.
    Ich wünsche dir weiterhin tolle Erfahrungen und alles Gute auf deinem Weg!

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  4. Das mit der Freiheit empfinde ich genauso und ich finde Du hast eine weise Entscheidung getroffen! (Notfalls kannst Du ja als „Strafrunde“ noch zum wirklichen Nordkap wandern.)
    Eigentlich hast Du dich auch im philosphischen NpL-Sinne entschieden, denn so zu wandern bedeutet doch loslassen (lernen)!
    „Du wirst den Weg nicht finden, wenn Du nicht selbst zum Weg wirst.“

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  5. Also wirr finde ich deine Gedanken überhaupt nicht. Wenn man lange auf Tour ist dreht sich halt alles darum wo ich her laufe, was es zu essen gibt und wo ich mein Zelt aufschlage.

    Ob du auf deinen Weg um 50-60km abkürzt. Wenn interessierst. Du lebst deinen Traum. Nur das ist wichtig und das man unterwegs fit ist.
    Daher kenne ich dein Problem zu gut. Ich kämpfe vor Laufveranstaltungen ständig mit dem Problem von Entzündungen in sehnen und Muskeln.
    Schalte einen Gang zurück und stresse dich nicht selbst. Dann schaffst du deine Tour.

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